5.000 UAP-Sichtungen über Europa in einem Jahr – aber kein EU-System zu deren Erfassung

Europa hat bereits gemeinsame Infrastrukturen für die Flugverkehrskontrolle (Eurocontrol), die Weltraumüberwachung (ESA-Programme) und die Klimabeobachtung (Copernicus) aufgebaut. Warum nicht auch für unidentifizierte Phänomene im europäischen grenzüberschreitenden Luftraum?

Ein Gastbeitrag von Charles-Maxence Layet

Im Jahr 2024 wurden über 5.000 Sichtungen unidentifizierter Luftraumphänomene (UAP) in ganz Europa gemeldet – jedoch nicht von Behörden, sondern von 23 unabhängigen zivilen Organisationen. (1)

Diese Zahl, die dem neu gegründeten EuroUFO-Index-Ökosystem entnommen ist, ist nicht anekdotisch. Sie ist das Ergebnis einer wachsenden kontinentalen Anstrengung, Berichte von nationalen Vereinigungen, wissenschaftlichen Gruppen und Bürgerplattformen zusammenzuführen. Von Skandinavien bis Italien, von Deutschland bis Belgien dokumentieren die Organisationen jährlich Tausende von Fällen – Teil eines größeren Datensatzes mit über 33.000 Beobachtungen in 40 Ländern zwischen 2019 und 2024. (2)

Aber wieviele dieser Sichtungen werden eigentlich von europäischen Behörden erfasst, überprüft und untersucht? 

Datenlücken im Binnenmarkt

Die Europäische Union hat integrierte Systeme für Flugsicherheit, Satellitenüberwachung und Klimabeobachtung aufgebaut. Über Programme wie Eurocontrol und Copernicus werden Flugzeuge, Emissionen und Weltraummüll in nahezu Echtzeit überwacht. Doch wenn es um unidentifizierte Objekte im europäischen Luftraum geht, gibt es kein entsprechendes System. Es existiert kein EU-weites Meldeprotokoll, keine zentrale Datenbank, keine koordinierte Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten. 

Europa verlässt sich auf ein Flickwerk isolierter nationaler Ansätze – die meisten davon minimal, einige undurchsichtig, viele existieren gar nicht. Frankreichs GEIPAN, eine Einheit unterhalb der Weltraumagentur CNES, ist eine offizielle, bemerkenswerte Ausnahme mit jahrzehntelangen öffentlichen Fallanalysen und verfügbaren Daten. Doch die Ressourcen reichen nicht aus, um wirklich wirksam zu sein. Das Resultat ist ein fragmentiertes Doppelsystem des Wissens über UAP: Citizen Science und zivile Netzwerke sammeln mehr Daten als nationale und europäische Behörden. Diese Informations-Asymmetrie und der gravierende Mangel an offiziellen Daten haben strategische blinde Flecken geschaffen. Tausende von Beobachtungen stellen einen riesigen, ungenutzten Datenschatz für Atmosphärenwissenschaft, Sensoranalysen und Wahrnehmungsstudien dar. Darüber hinaus sind unidentifizierte Objekte im kontrollierten Luftraum – seien es Drohnen, ausländische Überwachungssysteme oder noch unbekannte Phänomene – ein Versagen der Lageerkennung . Im Herbst 2025 hat der UAP-Alarm im Ostseeraum über dänischem, belgischem, deutschem und schwedischem Luftraum Europas Schwäche offengelegt, hybride Bedrohungen und mehrdeutige Verletzungen des Luftraums über Grenzen hinweg schnell zu erfassen, zu korrelieren und zu interpretieren.

Die offensichtlichen Unbekannten in den Luftraumkorridoren

Von September bis November 2025 führten mehrere Objekte über Kritischen Infrastrukturen zu vorsorglicher Luftraumüberwachung im gesamten Ostseeraum. Die Welle begann am 22. September an den Flughäfen Kopenhagen und Oslo und weitete sich auf militärische Einrichtungen aus. Eine Anti-Drohnen-Mauer brachte das Thema auf die Tagesordnung des Europäischen Gipfels. (3) Im Oktober konzentrierten sich die unidentifizierten Luftraumverletzungen auf Deutschland und verzögerten den Betrieb der Flughäfen Berlin und München. Im November setzte sich die Welle über Schweden und Belgien fort. Sichtungen von Drohnen unbekannter Herkunft wurden im Dezember auch über dem Flughafen Dublin und einem Marinestützpunkt in Frankreich gemeldet. (4) Luftraumsicherheit, militärische Aufklärung, zivile Flugsicherheit, wissenschaftliche Forschung: UAPs sind längst kein Randthema mehr, sondern eine Frage der Governance.

Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), hat kürzlich ebenfalls auf dieses institutionelle Defizit hingewiesen. Er erklärte, das UAP-Thema „verdiene wahrscheinlich mehr Beachtung und Investitionen“ und verwies auf das Fehlen eines eigenen Budgets für strukturierte Forschung. (5)

Auch die Antworten der Europäischen Kommission an das Parlament machen eines deutlich: UAPs werden auf EU-Ebene derzeit nicht als eigenständiges Politikfeld behandelt. Doch die Daten und Warnhinweise häufen sich. Allein in Belgien wurden 2025 bei der UFO-Hotline 237 Sichtungen unbekannter Flugobjekte registriert, darunter 11 in der Nähe von Militärbasen und Flughäfen im November. (6)

Notwendigkeit einer UAP-Hybrid-Toolbox

Im operativen Sinne überschneiden sich UAP-Vorfälle mit bekannten Kategorien sogenannter hybrider Risiken, wie zum Beispiel schwer detektierbare Drohnen oder Plattformen, nicht registrierte Luftfahrtsysteme, Sensorstörungen, atmosphärische oder elektromagnetische Anomalien, die Detektionssysteme beeinträchtigen. Jede dieser Erscheinungen kann die Reaktionsketten auf die Probe stellen oder Entscheidungsprozesse erschweren. Genau diese Unklarheit ist das Terrain hybrider Bedrohungen.

In anderen Bereichen – Cybersicherheit, Desinformation, Kritische Infrastruktur – hat die EU Hybrid-Toolboxen entwickelt: flexible, bereichsübergreifende Rahmenwerke, die zivile, technologische und sicherheitsrelevante Instrumente kombinieren. UAP und ihre mutmaßlich fortschrittlichen Dual-Technologien erfordern nun einen ähnlichen Ansatz. 

Eine solche europäische UAP-Hybrid-Toolbox könnte in vier Bereichen der Datenanalyse wirken: Standardisierte Meldeprotokolle zwischen den Mitgliedsstaaten; strukturierte Zusammenarbeit mit anerkannten zivilen Organisationen, deren Datensätze bereits einen erheblichen Teil der europäischen Beobachtungskapazität ausmachen; Förderung der Lageerkennung durch eine grenzüberschreitende Datenbank, die nationalen Behörden, Luftfahrtagenturen und Verteidigungsakteuren zugänglich ist; und schließlich die Implementierung eines sicheren, aber offenen Zugangs zu anonymisierten Datensätzen für Forschung und Transparenz, um institutionelle und Bürgerwissenschaften zu ermöglichen und dabei Sicherheits- und Datenschutzvorgaben einzuhalten.

Heute kann ein Pilotenbericht in Dänemark, eine Radaranomalie in Deutschland und eine zivile Beobachtung in Frankreich völlig unterschiedlichen Meldewegen folgen. Die Einführung eines einheitlichen EU-Meldeformulars für Luftraumanomalien ist ein entscheidender erster Schritt, der es Piloten, Fluglotsen und Bürgern ermöglichen würde, Anomalien in strukturierter Form zu melden. Das ebnet den Weg für den nächsten Schritt: die Integration in Kanäle der Flugsicherheit und die Verknüpfung mit optionalen Eingaben aus Radar-, Satelliten- und Beobachtungsdaten.

Von Cybersicherheit bis Klimarisiko – die EU hat ihre Fähigkeit zur besseren Koordination bei systemischen Lücken bewiesen. Das Unbekannte an unserem gemeinsamen Himmel ist ebenfalls eine Frage der öffentlichen Ordnung. Warum bleiben die Institutionen der Europäischen Union strukturell unvorbereitet, diesem Thema zu begegnen?

Quellen

(1) https://www.euroufo.net/euroufo-index

(2) https://www.uapcheck.com/news/id/3239/european-uap-sightings-in-2019-2024-towards-a-broader-and-more-inclusive-euro-ufo-barometer/

(3) https://en.wikipedia.org/wiki/2025_European_drone_sightings

(4) https://www.politico.eu/article/ursula-von-der-leyen-drone-wall-plan-crash-eu-reality/

(5) https://uapcoalitienederland.nl/en/esa-director-josef-aschbacher-uap-telegraaf

(6) https://www.brusselstimes.com/1904444/reports-of-ufos-sightings-on-the-rise-in-belgium-with-spike-reported-in-march

Als Ergebnis der europäischen Zusammenarbeit wird dieser Artikel auch auf den Websites der teilnehmenden Organisationen in ihren jeweiligen Sprachen veröffentlicht. Die deutschsprachige Version erscheint hier auf der Website der GEP, die englischsprachige Originalversion ist auf UAP Check verfügbar.

Über den Autor

Charles-Maxence Layet war von 2009 bis 2024 als parlamentarischer Assistent im Europäischen Parlament tätig und arbeitet heute als freier Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt auf neuen Energietechnologien und dem elektromagnetischen Kosmos. Er ist Chefredakteur und Herausgeber von „Orbs Special Contact“, einem Buch, das sich UFOs und der außerirdischen Hypothese widmet. Sein Forschungsinteresse konzentriert sich vor allem auf die menschlichen Dimensionen des UAP-Phänomens.

Danny Ammon

Geb. 1979, leitender Wissenschaftler an einem Universitätsklinikum. Zweiter Vorsitzender der GEP, außerdem Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Anomalistik (GfA), Mitglied der EuroUFO-Community und Affiliate-Mitglied der Society for UAP Studies (SUAPS). Initiator der deutschen „Grundsätze redlicher wissenschaftlicher Praxis in der Erforschung des UFO-Phänomens“. Zahlreiche Publikationen im Journal für UFO-Forschung, der Zeitschrift für Anomalistik und weiteren Fachorganen. Fürsprecher eines kritischen, theoretisch und methodisch fundierten und interdisziplinären Studiums von UAP.

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