Am 2. Juli ist nicht Welt-UFO-Tag!

Am Vorabend des 2. Juli 2014 gingen diverse Medienanfragen bei der GEP ein. Man wolle bezüglich des Welt-UFO-Tages am 2. Juli einige Berichte bringen, auch die Sicht der GEP mit ihren über 40 Jahren Erfahrung. Der 2. Juli als „Welt-UFO-Tag“ wurde 2011 von der sogenannten World UFO Day Organization „offiziell“ gemacht. Zuvor war man sich innerhalb der UFO-Szene uneinig, ob der 2. Juli als „Welt-UFO-Tag“ in Frage käme oder etwa der 24. Juni. Der Vorstoß der WUFODO sollte die Debatte wohl beenden:

In der Vergangenheit gab es zwei Tage, die Welt UFO Tag genannt wurden: der 2. Juli und der 24. Juni. Die WUFODO (World UFO Day Organization) hat nun den Tag des 2. Juli zum offiziellen Welt UFO Tag erklärt. Dies wurde entschieden um jeglicher Verwirrung vorzubeugen und hat den Effekt, dass sich viele Menschen auf der Welt an einem Tag bewusst zusammen finden, statt zwei kleinere Gruppen an zwei verschiedenen Tagen. (Quelle)

Kritische UFO-Forscher stehen diesem Datum jedoch eher skeptisch gegenüber – sofern es überhaupt soetwas wie einen „Tag der UFOs“ braucht. Mehrere Gründe sprechen gegen den 2. Juli:

  1. Es handelt sich um ein Datum, das mit dem legendären Absturz von Roswell in Verbindung gebracht wird (Wilmot-Sichtung und in manchen Quellen sogar der Tag des Absturzes selbst oder Fundttag der Trümmer). Dieses Datum ist jedoch nicht unumstritten – und ein umstrittenes Datum eignet sich nicht für einen Feiertag. Unser Mitglied Uli Thieme hat in seiner kritischen Dokumentation „50 Jahre Roswell – Ein UFO-Mythos stürzt ab“ Belege dafür angeführt, dass der Tag des Absturzes eher auf den 14. Juni 1947 datiert werden muss:
    [Es] sprechen drei wichtige Faktoren für den 14. Juni 1947 als den Absturztag. Erstens benennt der Hauptzeuge udn Trümmerfinder Mac Brazel bei seinen Interviews mit AP-Reporter Jason Kellahin dieses Datum selbst. Zweitens wird der beteiligte Sheriff Wilcox zitiert, daß Brazel die Trümmer „vor etwa drei Wochen“ aufgefunden hatte. Und drittens erklärt auch Major Jesse Marcel, daß der Absturz sich laut Brazel mehrere Tage vor dem 5. Juli ereignet hatte.
    Definitiv falsch ist allerdings der 4. Juli 1947, der bis heute in der UFO-Szene immer noch als das Roswell-Crash-Datum bezeichnet wird. In den Originaltexten von 1947 wird dieses Datum nirgends erwähnt oder bestätigt. (Quelle: THIEME, Uli (19997): 50 Jahre Roswell – Ein UFO-Mythos stürzt ab)

  2. Mit Bezugnahme auf den Roswell-Zwischenfall wird automatisch auch ein Bezug  zu Raumschiffen und Außerirdischen hergestellt. Dass dem so ist, wird auch auf der Webseite der WUFODO deutlich, wenn dort geschrieben steht, dass es hauptsächlich darum geht, “ ein Bewusstsein für die zweifellose Existenz von UFOs und intelligentem Leben aus dem Weltall zu schaffen“. Zweifellos? Dies widerspricht der ergebnisoffenen Herangehensweise einer kritisch-wissenschaftlichen UFO-Forschung. Ebenfalls ein umstrittener Aspekt also.
  3. Es gibt mit dem 24. Juni eine bessere Alternative, wenn man denn den unidentifizierten Flugobjekten einen eigenen Tag widmen möchte.

Für den 24. Juni, der von einigen UFO-Interessierten ebenfalls als Welt-UFO-Tag propagiert wird, sprächen folgende Argumente:

  1. Die historische Sichtung des Privatpiloten Kenneth Arnold am 24. Juni 1947 brachte den durch einen Reporter geschaffenen Begriff „Fliegende Untertassen“ hervor und wird als Beginn der sogenannten modernen UFO-Ära angesehen. Hierüber herrscht Einigkeit, das Datum und die Sichtung bzw. der Bericht darüber sind unstrittig.
  2. Die Arnold-Sichtung repräsentiert um ein vielfaches mehr die UFO-Sichtung an sich; also das, was dem normalen UFO-Zeugen wiederfährt: Eine spontane Erfahrung, die Sichtung einer für den Beobachter nicht zu identifizierende Erscheinung am Himmel.
  3. Die bloße Sichtung, die Arnold 1947 machte, lässt sich sicherlich losgelöst betrachten von möglichen Erklärungsansätzen und Interpretationen. Hier ist eine größere Schnittmenge in Punkto Zustimmung zu erwarten.

Nun ist es nicht so, dass der 24. Juni als „Welt-UFO-Tag“ bisher ignoriert wurde, sondern er wurde in den letzten Jahren immer wieder in diesem Kontext genannt und von manchen auch feierlich begangen. Und mag heute, am 2. Juli 2014, das Interesse an UFOs medial hier und da etwas aufflammen, so ist dennoch fraglich, ob der 2. Juli wirklich geeignet ist als Welt-UFO-Tag. Vielleicht wäre der 24. Juni besser, unumstrittener, versöhnlicher. Der ist für dieses Jahr dann allerdings schon vorbei. Wenn man denn so etwas wie einen Welt-UFO-Tag überhaupt braucht. Das zu entscheiden, liegt wohl bei jedem einzelnen.

T.A. Günter

T.A. Günter ist seit 1997 Mitglied der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V. Bis 2006 war er sowohl für CENAP als auch für die GEP als Falluntersucher tätig. Von 2000 bis 2010 war er Beisitzer des GEP-Vorstands. Heute kümmert er sich aufopfernd um die Internetseiten des Vereins sowie das Layout des internen Mitgliedermagazins "GEP Insider". Im Havelland aufgewachsen, lebt und arbeitet T.A. Günter heute bei und in Hamburg.

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